Seite auswählen

Nachdem wir im letzten Beitrag eines der essentiellen Bedürfnisse des Überlebens in der Wildnis mit Feuer machen gesichert haben, sehen wir uns heute an, was man im Notfall in der Natur – insbesondere in Deutschland – alles essen kann. Essbare Pflanzen in Deutschland findet man in der Wildnis mehr als man denkt, man muss sie nur kennen und die Augen offen halten. Sicher erkennt jeder einen Apfelbaum, aber bei Kräutern und anderen Pflanzen hört das Wissen meistens schon auf. Wir werden uns auf die häufigsten Pflanzen konzentrieren, aber ganz sicher nicht alle im ersten Beitrag zu diesem Thema beschreiben. Wenn ihr mehr solcher Beiträge haben wollt, dann gebt uns eine gute Bewertung und hinterlasst einen Kommentar.

Orte, wo man essbare Pflanzen findet

Die Hauptaufgabe ist erstmal nicht, die Nahrung zu finden, sondern zu wissen, wo man suchen muss. In einer feuchten Umgebung werden die meisten essbaren Pflanzen an sonnigen Standorten zu finden sein. Wenn die Gegend trocken ist, dann hat man in der Nähe von Wasser die besten Chancen. Am Straßenrand solltet ihr darauf verzichten, Obst und Kräuter zu ernten, da sie durch Abgase vergiftet sein könnten. Auch an Ackerrändern kann man davon nur abraten, da die Landwirte mit Pestiziden und Düngern arbeiten, welche auch giftig sein können. Auch dabei handelt es sich natürlich um essbare Pflanzen, aber es kann zu Vergiftungen kommen, was beispielsweise Durchfall zur Folge hat.

Jahreszeiten für essbare Wildpflanzen

Jede Jahreszeit bietet andere Nahrungsquellen, mit denen man überleben kann. Wer jetzt denkt, dass man im Winter keine Nahrung findet, der täuscht sich. Jede Jahreszeit bietet eine andere Vielfalt. Manche essbare Pflanzen findet man das ganze Jahr hindurch, andere nur saisonal – hier gilt es, informiert zu sein.

Gras und Kräuter

Wer als Erstes an saftige Äpfel und geheime Pflanzen gedacht hat, der wird jetzt eines Besseren belehrt. Auch unter der Schneedecke entdeckt man noch Gräser und Kräuter, welche essbar sind. Fast jedes Gras ist essbar. Alle Grashalme, die kleiner als 10 cm sind, kann man sehr leicht kauen und auch verdauen. Je nachdem, welche Sorte man verzehrt, reicht die Geschmacksvielfalt von süß bis bitter. Weizengras beispielsweise ist extrem süß. Neben Nahrung erhält man dadurch auch Wasser und Saft. Die Familie der Gräser und Kräuter bietet eine unüberschaubare Vielfalt essbarer Pflanzen.

Kräuter, die man das ganze Jahr findet oder zumindest vom Frühjahr bis zum Herbst, sind:

  • Goldnessel
  • Gänsedistel
  • Klee
  • Löwenzahn
  • Sauerklee
  • Taubnessel
  • Vogelmiere
  • Veilchen
  • Wegerich
  • Wilder Lauch
  • Kresse

Diese Kräuter findet man im Prinzip auf fast jeder Wiese. Schauen wir sie uns doch einmal genauer an.

Goldnessel

Gerade die Goldnessel findet man an Orten, an denen sie wächst in Hülle und Fülle. Die Blüten und die Blätter sind sehr schmackhaft. Die Blüten kann man von April bis Juli essen, sie enthalten sehr viel Nektar. Sie sind also eine wirklich natürliche Süßigkeit. Wer die Blätter und Triebe essen will, der sollte darauf achten, die Jungen zu nehmen, da diese angenehm zu kauen sind und wesentlich besser schmecken. Im Herbst kann die Wurzel genommen werden und als Gemüse zubereitet werden. Die Goldnessel bietet das ganze Jahr durch eine Nahrungsquelle. Sie enthält eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Das sind unter anderem:

  • ätherische Öle
  • Flavonide
  • Saponine
  • Gerbstoffe
  • Schleimstoffe
  • Bor
  • Calcium
  • Eisen
  • Kalium
  • Kupfer
  • Magnesium
  • Phosphor
  • Schwefel
  • Zink

Goldnessel

Wie man sieht, ist die Goldnessel sehr reichhaltig. Aber es besteht auch eine Verwechslungsgefahr. Der Waldziest ähnelt der Goldnessel. Aber jetzt nur keine Panik bekommen! Der Wald-Ziest ist auch essbar, aber schmeckt bei Weitem nicht so gut. Man kann sie am Aussehen, am Geruch und am Geschmack unterscheiden. Der Wald-Ziest ist viel herber und hat deutlich mehr Aroma. Man kann die Goldnessel auch trocknen und als Tee trinken.

Gänsedistel

Die Gänsedistel wurde im Mittelalter als Gemüsepflanze angebaut. Sie wird auch als Gemüse-Distel oder Kohl-Distel bezeichnet. Heutzutage wird sie wahrscheinlich nicht mehr angebaut, aber ist durchaus noch in ihrer wilden Form zu finden. Sie bietet sehr viel Geschmack und ist auch extrem nahrhaft. Die Zubereitung erfolgt wie beim gewöhnlichen Kohl. Glücklicherweise ist sie aber nicht so scharf. Bevor man die Gemüsepflanze verarbeitet, sollte man die Stacheln an den Blättern beseitigen. Alle Pflanzenteile sind essbar. Sie blüht von Juni bis Oktober, man erkennt sie an der gelben charakteristischen Blüte. Sie hat eine Höhe von ungefähr 70 bis 100 cm.

Gänsedistel

Inhaltsstoffe:

  • Vitamin C Mineralstoffe
  • Bitterstoffe
  • Eisen
  • Taraxasterol

Man findet die Gänsedistel in Ackenähe (Achtung: Warnung vor den Rändern, siehe oben) und an Wegrändern, gerade auf Böden, die besonders viele Nährstoffe bieten und lehm- oder tonhaltig sind. Man kann die Pflanze mit dem Gift-Lattich verwechseln.

Klee

Der Klee ist nicht nur für Tiere eine Nahrungsgrundlage, sondern auch für den Menschen essbar. Es gibt den Weiß- und Rotklee, welche beide auch als Wiesenklee bekannt sind. Bei zu großer Verzehrmenge kann es zu einer Vergiftungserscheinung kommen, da der Klee unglaublich viel Oxalsäure enthält (ähnlich wie Mangold, Rhabarber, Spinat) Wer den Klee zur Abrundung seiner Wildnahrung nutzt, der sollte aber unbesorgt sein. Der Geschmack ist sehr erfrischend.

Klee

Man kann die Blätter vom Klee roh, gekocht und getrocknet essen. Auch die frisch gekeimten Samen sind sehr gut verdaulich. Klee wird auch als Heilpflanze genutzt und soll Entzündungen behandeln, Durchfall und chronische Bronchitis mildern, das Blut reinigen, den Appetit anregen und Gicht sowie Rheuma lindern. Rotklee enthält Isoflavone.

Löwenzahn

Löwenzahn wächst nun wirklich überall. Der Löwenzahn ist nicht nur einfach zu beschaffen und sehr ergiebig, sondern auch noch gesund. Aber Vorsicht: er wirkt harntreibend. Die Indianer in Nordamerika rauchten die getrockneten Blätter und alten Hexensagen zufolge konnte man sich den Körper mit Löwenzahn einreiben und alle Wünsche erfüllten sich. Aber nun zurück zum Thema essbare Pflanzen.

Löwenzahn

Man kann die Blätter roh als Salat essen oder in einer Suppe verarbeiten. Der Löwenzahn enthält jede Menge Vitamine, Bitterstoffe und Mineralien. Der Geschmack ist zartbitter. Man findet die genießbaren Blätter von April bis Oktober. Die Blüte kann auch verzehrt werden, dabei muss man den grünen unteren Teil abtrennen, so dass man nicht den weißen Saft mitisst. Dieser ist nämlich extrem bitter.

Taubnessel

Bei der Taubnessel kann man alle Teile der Pflanze,bis auf den Blütenstängel, essen. Die Wurzeln der Triebausläufer kann man im Herbst einfach roh vertilgen. Wer auf einer Tour seinen Kaffee vergessen hat, der kann die Wurzeln rösten und als Ersatz nehmen. Wenn man den Geschmack der Pflanze vergleichen sollte, dann kommt sie Steinpilzen am nächsten.

Bei den Blättern sollte man die jungen Triebe und Blattteile nehmen, die man von Februar bis April ernten kann. Man kann sie entweder roh oder als Suppengemüse verarbeiten. Aber auch die älteren Blätter schmecken gekocht sehr gut. Durch das Kochen werden sie deutlich milder und weicher.

Taubnessel

Die Blüten kann man von April bis Oktober pflücken. Sie sind die perfekte Beigabe zum Salat. Sie schmecken ein wenig neutraler als die anderen Pflanzenteile, können aber eine leichte Süße aufweisen. Die Samen stehen von Mai bis September bereit. Man kann sie einfach trocknen und im Frühjahr wieder auspflanzen.

Vogelmiere

Die Vogelmiere gibt einen wunderbaren Salat und hat dabei deutlich mehr Reichtum an Nährstoffen als ein gewöhnlicher Kopfsalat. Besonders Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen bietet diese gesunde Kost. Der Geschmack ist sehr mild, süß, grasartig und es kostet keinerlei Überwindung sie zu verzehren.

Vogelmiere

Man kann sowohl aus der frischen als auch getrockneten Vogelmiere Tee zubereiten.

Veilchen

Veilchen sind nicht, wie oft angenommen, giftig. Sie sind sogar sehr gesund. Besonders die Wald-Veilchen schmecken richtig gut. Die Blätter sind im Geschmack sehr mild, die Blüten haben ein stärkeres, aber auch angenehmes Aroma. Manche Outdoorfreunde vertragen das Aroma der Blüte nicht, hier empfiehlt es sich diese zu trocknen und als Tee zu trinken. Beim Veilchen kann man ruhig ordentliche Portionen vertilgen, denn die Blätter und Blüten können einem nicht schaden. Die meisten Veilchen blühen zwischen März und Juni. Man kann das Veilchen roh oder getrocknet essen. Ihr könnt die Veilchen auch mit in die Suppe geben. Aber Vorsicht vor dem Usambaraveilchen. Dieses ist gar kein Veilchengewächs und giftig.

Veilchen

Wegerich

Der Wegerich wird auch als König der Wege bezeichnet. Man kann ihn nicht nur als Nahrungsquelle nutzen, sondern auch als Wundheilmittel. Er wirkt antibakteriell. Der Wegerich enthält die geballte Kraft von Vitamin K, Vitamin C, Karotin und Kieselsäure. Man kann alle Pflanzenteile wie Blätter, Blüte, Samen und sogar die Wurzel essen. Man kann den Wegerich roh als Salat essen, aber auch als Gemüse verwenden. Im Herbst und Winter kann man sich an der Wurzel bedienen. Aber bitte wascht sie vorher ab und kocht sie dann.

Wegerich

Wilder Lauch

Es gibt viele Arten von wildem Lauch, am bekanntesten ist wohl der Bärlauch im Wald. Wenn dieser früh im Jahr ganze Flächen dicht besiedelt, riecht die gesamte Luft nach ihm. Man kann den wilden Lauch mit Wurzeln aus dem Boden holen. Wenn es nicht eine Notsituation ist, dann empfiehlt es sich aus Sicht der Nachhaltigkeit, die Pflanze nicht einfach rauszurupfen, sondern ein Werkzeug zu nutzen. Je früher im Jahr man den Lauch erntet, desto besser schmeckt er. Je kleiner die Wurzelknolle, desto angenehmer ist das Aroma. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie man den Lauch essen kann. Die Blätter kann man roh oder als Pesto nutzen. Die Knolle kommt in die Suppe.

Bärlauch

Kresse

Kresse ist eine Wildpflanze aus der Familie der Senfpflanzen, daher enthält sie Senföl. Das macht die Blätter scharf und gibt den typischen Senfgeschmack. Damit kann man nicht nur unterwegs seine Speisen würzen, sondern man kann die Blätter auch roh essen. Gerade die jungen Blätter schmecken roh sehr gut. Ist die Pflanze älter, sollte man die Kresse dämpfen. Kresse regt auch den Appetit an.

Brunnenkresse

Fazit für essbare Pflanzen

Die Natur beschenkt uns mit reichlich essbaren Pflanzen, man muss eigentlich nur zugreifen. Wer die Augen offen hält, findet Unmengen essbare Pflanzen. Wenn euch der Beitrag gefallen hat, dann können wir noch viele andere Nahrungsquellen in der Wildnis vorstellen. Davon gibt es nämlich noch mehr als genug!

Essbare Pflanzen in der Wildnis – Survival Teil 1
4.8 (95%) 4 votes