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Es gibt wohl wenig Dinge im Leben, die so viel Spaß machen wie das Kajak fahren. Die Sonne scheint, das Wasser ist ruhig, man gleitet über das glitzernde Wasser und überlegt sich bereits, wo man als nächstes eine schöne kleine Pause einlegt, um mit dem Gaskocher eine warme Mahlzeit zuzubereiten.

Hört sich zu langweilig an? Es geht auch anders! Das Wildwasser rauscht den Fluss hinab, eine Stromschnelle greift die nächste und ihr seid mitten im brodelnden Wasser, welches euch knapp an den Felsen vorbeiträgt… Schon besser? Na, fangen wir erstmal mit den Basics an und tasten uns langsam ans Thema heran. Heute geben wir den Einsteigerkurs für Anfänger und zeigen, auf welche Dinge man beim Kajak fahren achten sollte. Doch legen wir los!

Das passende Kajak

Es soll ein Kajak sein, nur welches? Nicht jedes Kajak ist gleich, und es macht durchaus Sinn, das Wassergefährt mit dem Einsatzzweck abzustimmen. Die meisten Kajaks sind aus PE hergestellt. Das Material bekommt so schnell niemand kaputt. Doch es gibt auch andere Materialien, wie beispielsweise das deutlich leichtere aber teurere Modell aus Carbon und Aramid. Doch als erstes stellt sich die Frage, wer kommt mit auf die Tour? Ist man alleine unterwegs, reicht ein Einsitzer aus. Das Einsitzer-Kajak ist die häufigste Bauform. Es gibt auch Kajaks für zwei oder drei Personen. Doch auch der Aufbau der verschiedenen Kajak-Typen unterscheidet sich. Kleine Einsteigerkajaks beginnen bei 2,5 m und gehen bis zu großen Wanderkajaks die 5 m lang sind.

Kajak-Arten

Grundlegend unterscheidet man bei den Kajak-Arten die folgenden:

  • Tourenkajak (Wanderkajak)
  • Wildwasserkajak (Rodeokajak)
  • Sit On Top Kajak
  • Kanu Kanadier

Sehen wir uns die Kajak-Arten einmal genauer an.

Wanderkajak

Das Wanderkajak wird auch als Tourenkajak oder Seekajak bezeichnet. Dies ist die gemütliche Variante des Kajaks und hat den Vorteil, dass es sehr lang ist und jede Menge Stauraum für Gepäck und Verpflegung bietet. So kann man auch mehrtägige Touren starten. Das Gepäck verstaut man in den Gepäckluken. Mit einem Wanderkajak schafft ein geübter Paddler über 100 Kilometer am Tag Kajak zu fahren. Der Kiel beim Wanderkajak ist sehr ausgeprägt, dadurch fällt es besonders leicht geradeaus zu fahren. Fortgeschrittene Modelle haben eine Fußsteueranlage, mit der man die Richtung bestimmen kann.

Kajak paddeln

Wildwasserkajak

Das Wildwasserkajak ist deutlich kürzer als das Wanderkajak. Es hat ein flaches Unterschiff mit einem runden Bug und Heck. Durch diese spezielle Form rutscht man ohne Probleme über Steine hinweg und ist von der Bewegung her sehr wendig. Wäre das nicht der Fall, würde man im Wildwasser an den Steinen hängen bleiben und kentern. Moderne Wildwasserkajaks sind besonders sicher und überzeugen mit einer genau passenden Sitzanlage. Diese Kajak-Art ist mit 2,5 m Länge vergleichsweise kurz.

Kanu Kanadier

In der Regel ist beim Begriff Kanu der Kanadier gemeint. Dieses familienfreundliche Gefährt ist 4,5 m lang und länger. Sehr große Kanadier bieten bis zu 10 Personen genügend Platz. Die Boote sind meistens nach oben hin offen, alternativ mit einer Plane abgedeckt. Dadurch, dass man die Kanadier sehr schwer beladen kann, eignen sie sich nicht nur für lange Touren mit viel Gepäck, sondern auch für mehrere Personen bzw. als Familienkanu. Durch die sichere Lage im Wasser fällt es auch dem Anfänger leicht, mit dem Stechpaddel das Boot zu bewegen und zu lenken. Wer ein wenig Übung hat, dem gelingt es mit dem Paddel auf einer Seite zu bleiben und trotzdem das Kanu sauber zu lenken. Wer sich einen Kandadier ausleihen möchte, der wird feststellen, dass die Längen bei diesem Boot oft in der amerikanischen Längeneinheit Fuß angegeben wird.

Unterschied Kanu und Kajak

Das Wort Kanu steht umgangssprachlich als Sammelbegriff für Kajaks und Kanadier. Beim Kajak fahren nutzt man zur Fortbewegung ein Doppelpaddel. Man fährt im Sitzen mit den Beinen in Richtung Bug. Beim Kanadier hat man kein Verdeck, die Form ist etwas anders und man bewegt sich mit dem Stechpaddel. Das Stechpaddel hat nur ein Paddelblatt. Man kann aufrecht sitzend oder auf den Knien fahren. Wie wir eben gesehen haben, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Ausführungen.

Kajak fahren für Anfänger – Tutorial

Bevor wir eine Eskimorolle machen, andere gekenterte Kajakfahrer retten und ein Wettrennen durchs Wildwasser starten, fangen wir ganz am Anfang an.

Einsteigen ins Kajak

Beim Einsteigen gibt es einen Unterschied, ob man vom Steg oder vom Ufer aus einsteigen möchte. Weiter unten findet ihr auch die Anleitung, wie ihr aus dem Wasser wieder ins Kajak kommt. Wer vom Steg einsteigen möchte, sollte sich erstmal langsam rantasten. Legt das Paddel in Reichweite, so dass ihr rankommt, wenn ihr im Kajak sitzt. Sollte eine Spritzdecke vorhanden sein, dann rollt diese erstmal hoch.

Beim Einsteigen muss der Schwerpunkt des Körpers exakt entlang der Längsachse des Kajaks sein. Ansonsten lauft ihr Gefahr zu kentern. Die Hände greifen den Süllrand und die Füße bleiben entlang der Längsachse. Erhebt euch und versucht euer Gleichgewicht mit Hilfe der Hände zu halten. Das Schwerste ist geschafft und ihr setzt euch ohne hektische Bewegungen ins Kajak. Genauso verhält es sich beim Aussteigen.

Vom Ufer einsteigen

Das Einsteigen vom Ufer ist ein wenig kniffliger. Am besten, man sucht sich eine ebene Stelle, an der das Wasser ruhig ist. Wenn ein Motorboot Wellen schlägt, dann einfach kurz abwarten. Wichtig ist auch, dass das Wasser ausreichend Tiefe hat, ansonsten steckt man auf dem Grund fest. Ein Stein oder alter Baum am Ufer kann einem eine Stützhilfe sein. Nun macht man die Beine breit und führt das Kajak direkt unter sich. Das Paddel kann einen auch stützen. Man legt es auf den Süllrand und den Stein, Baum oder das Ufer. Ihr greift den Süllrand und das Paddel wird dabei mit dem Daumen fest gegriffen.

Auf der anderen Seite greift man den Stein, Baum oder das Ufer. Achtung: Paddel können bei der Aktion bei zu starken Kräften auch defekt gehen. Nun setzt ihr euch auf den Süllrand, aber lasst euer Körpergewicht noch auf den Füßen. Das Gewicht wird nun vorsichtig auf die Stützhilfe verlagert und jetzt kann man es wagen, einen Fuß ins Kajak zu bekommen. Der Sitzvorgang wird gleichzeitig mit dem ins Boot Setzen des anderen Fußes eingeleitet. Natürlich kann man statt eines Steins, Baumes oder ähnlichem auch einen Kajakpartner nutzen.

Gleichgewicht halten beim Kajak fahren

Ein Kajak kann aufgrund seiner schmalen Form sehr wacklig sein. Das Gleichgewicht zu halten ist aber nicht so schwierig wie man beim Einsteigen zunächst denkt. Schon nach wenigen Metern wird man es von alleine halten. Damit man aber nicht vorher schon kentert, sollte man den Oberkörper ausbalancieren und senkrecht halten. Hektische Bewegungen oder zur Seite Lehnen ist am Anfang nicht zu empfehlen. Bauch und Rücken bleiben entspannt. Lenkt nicht dagegen, wenn Wellen kommen, sondern entspannt euch. Der Blick ist auf den Horizont gerichtet. Man sollte sich als Stütze nicht am Kajak festhalten, das ist ein Fehler, welcher mit Baden bestraft wird. Wenn ihr das Gefühl habt gleich umzukippen, dann schlagt mit dem Paddel (Rückseite) auf die Wasseroberfläche, das dämpft die Kippbewegung ab.

Paddelhaltung

Das Paddel korrekt zu halten, sollte man schon vor dem in See stechen üben. Auch wenn Kajak fahren erstmal ein wenig Lernen erfordert, hört sich doch das Paddel halten erstmal sehr banal an. Dennoch ist es die häufigste Fehlerquelle und die entscheidende Basis für eine spaßige Fahrt mit dem Kajak.

Ist man auf dem Wasser unterwegs, kann man einen Kraulschlag machen. Hierbei krümmt man seine Finger löffelförmig, um den Widerstand des Wassers besser zu nutzen. Das Paddelblatt ist zur Vorderseite leicht gekrümmt. In der Regel sind Paddelblätter unförmig, also asymmetrisch aufgebaut. Dadurch fällt es leichter das Blatt ins Wasser zu bringen und eine flüssige Bewegung durchzuführen. Da das Paddel nicht zu beiden Seiten gleich ist, muss man es aber auch richtig herum halten.

Der richtige Abstand von den Händen am Griff ist schnell ermittelt. Einfach die Haltefläche (Schaft) zu den rechtwinklig gehaltenen Ellenbogen greifen. Man kann während der Fahrt auch ein wenig mit der Griffstellung arbeiten, um die Muskeln zu entlasten. Beim Seekajakfahren sind die Paddel meistens verschränkt. Die rechte Hand ist die Kontrollhand, diese bleibt fest und unverändert. Die andere Hand umfasst das Paddel nur locker. Die Kontrollhand führt die Bewegungen an.

Vorwärtspaddeln

Auch ohne unseren Paddelkurs, werdet ihr es schaffen, euch vorwärts zu bewegen. Allerdings werdet ihr hierbei wahrscheinlich sehr viel Kraft verbrauchen und eure Gelenke und Muskulatur unnötig belasten. Beim Paddeln sitzt man gerade, der Brustkorb ist zum freien Atmen geöffnet und die Schultern entspannen sich. Beim Paddeln ist der Rücken nicht angelehnt. Die Füße sind auf den Fußstützen, welche den Oberkörper unterstützen und die Beine sind geschlossen. Das Knie ist dabei leicht gebeugt. Rumpf und Beine leisten die Hauptarbeit.

Wenn das Paddel ins Wasser eintaucht, dann sollte man sich vorstellen, dass man am Paddel vorbeizieht, anstatt es heranzuziehen. Der Rumpf wird aus der Hüfte gedreht, damit man das Paddel möglichst weit vorne eintauchen kann. Der untere Arm ist dabei fast gestreckt.. Der obere Arm hat eine entspannte Handhaltung, ist leicht gedreht und befindet sich nahe am Kinn. Es wird immer der Fuß auf der Seite des Paddels in die Stütze gedrückt. Beim Eintauchen verwendet man mit einem Schwung die meiste Kraft. Zum Ende des Paddelschlags ist die Zughand auf Bauchhöhe. Der Ellbogen wird nie höher als die Schulter gehalten. Die Bewegungen sollten fließend sein.

Das Kajak steuern

Man kann das Kajak mit dem Paddel oder einer eingebauten Steuerung lenken. Die Steuerung ist natürlich am bequemsten, aber nicht jedes Kajak hat so eine Steuerung.

Hecksteuerung

Bei dieser Variante nutzt man das Paddel als Hecksteuer, dadurch kann man entweder die Richtung halten oder diese verändern. Der Nachteil dieser Methode ist, dass man an Fahrt verliert. Daher nimmt man diese Variante als Notfallsteuerung. Dabei bleibt das Paddel nach einem Schlag im Wasser möglichst weit hinten, am besten parallel zum Rumpf. Die Oberkante vom Paddelblatt wird vom Boot weggedreht, dadurch ändert man die Richtung. Um die gerade Fahrt zu halten, hält man das Blatt senkrecht. Aber auch als Bremse kann es dienen. Dazu hält man das Blatt einfach waagerecht unter Wasser.

Bogenschlag

Als Laie denkt man immer, ich ändere die Richtung, indem ich auf einer Seite besonders stark paddele. Dadurch nimmt man aber extrem Fahrt auf und die Richtung ändert sich nur wenig. Das Schöne am Bogenschlag ist, dass man ihn aus der Paddelbewegung heraus machen kann und er die Fahrt nicht bremst. Dabei wird die normale Griffhaltung wie beim Vorwärtspaddeln gewählt, das Paddel geht vorne ins Wasser und die Arbeitsseite ist vom Kajak weggerichtet. Das Paddel wird in einem großen Bogen vom Bug bis zum Heck gezogen. Durch diese Bewegung dreht sich das Kajak von der Seite des Paddels weg.

Seitlich Kajak fahren

Durch den Wrigg-Zug kann man sehr effizient seitlich ans Ufer paddeln. Das Paddel hat wieder die normale Haltung, der Oberkörper wird seitlich rotiert und das Blatt wird nahezu senkrecht ins Wasser gesetzt. Der obere Arm ist dabei um ungefähr 90° gedreht und wird hoch gehalten. Die Arbeitsseite des Paddels zeigt zum Kajak. Das Paddel wird parallel zum Rumpf vor und zurückgezogen. Die Arbeitsseite öffnet sich dabei leicht in die Bewegungsrichtung. Dadurch bewegt sich das Kajak auf das Paddel zu. Das Paddel wird flüssig in Form einer flachen „8“ bewegt.

Rückwärts fahren

Das Rückwärtspaddeln wird wie das Vorwärtspaddeln vollzogen, nur in entgegengesetzter Reihenfolge.

Fazit zum Kajak fahren

Zu Beginn scheint das Kajak als Anfänger recht wacklig zu sein, aber man gewöhnt sich sehr schnell ans Kajak fahren und der Spaßfaktor ist garantiert. Wer Anfänger ist, der sollte unbedingt in einer Gruppe Kajak fahren und eventuell einen Kurs machen. Wir wünschen gute Fahrt! Wenn ihr noch weitere Tipps und Tricks habt, dann hinterlasst doch einen Kommentar.

Kajak fahren für Anfänger – die Anleitung
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