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Die Merinowolle vom Merinoschaf ist heiß begehrt, gerade bei Kleidung für Outdoor-Aktivitäten. Was es mit der Wunderwolle auf sich hat und warum Merinowolle so gut ist, zeigen wir heute.

Merinowolle Eigenschaften

Merinowolle ist nicht nur ein edles und teures Material, sondern unglaublich angenehm zu tragen. Aber nicht nur das, es hat auch noch extrem positive Eigenschaften in Bezug auf den Tragekomfort. Die meisten Textil-Kleidungsstücke fangen bei einer Outdoor-Tour nach kurzer Zeit an unangenehm zu riechen. Sowohl Vliesjacken als auch besonders die guten alten Socken. Das liegt nicht unbedingt daran, dass der Outdoor-Freund unangenehm riecht, sondern an den besonderen Eigenschaften der Wolle.

Wolle ist wohl eine der natürlichsten Ressourcen, um Kleidung herzustellen. Sie wird in den meisten Fällen von Schafen gewonnen. Wenn ihr auf einem Kleidungsteil lest, dass es sich um reine Schurwolle handelt, dann ist damit gemeint, dass diese zu 100 Prozent aus Wolle von lebenden Tieren besteht und nicht recycelt wurde. Wolle, Fell und auch menschliches Haar bestehen aus Keratin, einem Protein mit Faserform. Eine der hochwertigsten Formen ist die Merinowolle. Sie ist vergleichsweise fein und weich. Übrigens ist die begehrte Schafwolle schwer entflammbar, so kann man sich beruhigt dem Lagerfeuer nähern.

Warum Merinowolle nicht stinkt

Wollfaser hat eine selbstreinigende Wirkung. Dieser Prozess entsteht durch das Keratin, dem Faserprotein der Wolle. Dieses baut die übel riechenden Bakterien der Haut ab. Merinowolle besteht aus zwei unterschiedlichen Zelltypen, die jeweils eine andere Menge an Feuchtigkeit aufnehmen. Dadurch entsteht Reibung. Diese Reibung reinigt die Wolle ohne Hilfe. Das hat auch zur Folge, dass man die Kleidungsstücke aus Wolle deutlich seltener reinigen muss.

Wenn man sich die Merinowolle unter dem Mikroskop ansieht, dann wird man feststellen, dass sie ähnlich Dachziegeln eine schuppige Struktur hat. An diesem Schuppenkonstrukt finden Bakterien nur sehr schwer Halt. Polyester und andere Synthetikfaser haben ein flache glatte Struktur, der perfekte Haftpunkt für schlecht riechende Bakterien. Die Faser der Merinowolle speichert Wasserdampf, das verhindert, dass dieser auf unserem Körper zu Schweiß konzentriert. Allein durch diesen Umstand entsteht schon deutlich weniger Schweiß.

Merinowolle kratzt nicht

Wer schon mal einen kratzenden Schal hatte, der wird wohl nie wieder einen tragen wollen (sofern Mutti nicht zu Besuch ist), aber es geht auch anders: Merinowolle ist die Rettung, denn diese kratzt nicht und sieht auch noch gut aus. Wie bereits erwähnt ist die Wolle besonders fein und weich. Die Faserstärke liegt hier bei 16,5 bis 24 Mikron. Die Wolle vom normalen Schaf ist doppelt so stark. Je dünner die Faser ist, desto mehr passt sie sich durch Biegung der Bewegung an. Das hat zur Folge, dass Haut und Haar unseres Körpers nicht gereizt wird. Ab ca. 25 Mikron empfinden wir die Berührung als unangenehm oder spürbar. Also, wenn eure Merinowolle kratzt, dann solltet Ihr prüfen, ob es sich um ein reines Produkt handelt.

Merinowolle

Immer wohl temperiert

Das Schönste an der Wolle vom Merinoschaf ist, dass sie wärmt, wenn es kalt ist und erstaunlicherweise kühlt, wenn es heiß ist. Kleidung aus Merinowolle ist perfekt geeignet um sich im Zwiebelprinzip zu kleiden. Das ist nicht nur beim Menschen so, wenn man einen Blick in die Natur wirft und sich die Schafe ansieht, dann sieht man, dass diese unter ihrer Wollpracht nicht leiden, weil diese auch im Sommer atmungsaktiv ist. Im Winter schützt sie das Fell vor eisigen Temperaturen, wobei sie ein zusätzliches Winterfell in Form von einer Langhaarschicht entwickeln.

Die Merinowolle ist besonders luftig, weil sich die vielen Kräuselungen und Wellen der Faser übereinander legen. Dadurch enstehen Hohlräume, welche Luft und damit Wärme speichern. Synthetik-Textilien liegen eng auf der Haut an, die Wolle hat minimale Berührungspunkte. Dadurch entstehen keine Wärmebrücken, welche die Wärme des Körpers nach außen wegleiten. Durch diese Isolation macht einem weder die Hitze des Sommers noch die Kälte des Winters zu schaffen. In der kalten Jahreszeit fühlt sich Kleidung schnell klamm an, weil sie die Feuchtigkeit aufnimmt und auf der Haut liegt. Die Merinowolle leitet die Feuchtigkeit nach außen, wobei die Oberfläche trocken bleibt. Daher friert man mit ihr kaum.

Hier kommt das beste Argument für Kleidung aus Merinowolle: Alle anderen Textilien wärmen nicht mehr, sobald sie nass werden. Egal ob beim Wandern oder bei ausgiebigen Trekkingtouren, wer hatte schon mal eine Tour, bei der die Kleidung nicht feucht wurde? Merino wärmt auch, wenn sie nass ist.

Merinomix für mehr Komfort

Merinowolle kommt speziell im Outdoor-Segment bei unglaublich vielen Kleidungsstücken wie beispielsweise Outdoorjacken zum Einsatz. Es gibt aber auch Mischfasern, bei denen die Vorteile der Merinowolle mit denen der Synthetik kombiniert werden. Das Ergebnis sind noch robustere oder elastischere Kleidungsstücke.

Merinowolle Tierschutz – Tierquälerei?

Bei Merinowolle gehen bei Umweltschützern in der Regel die Alarmleuchten an. Das liegt aber nicht am Produkt an sich, sondern an der Herkunft und den Haltungsbedingungen der Tiere. Die größten Exporteure für Merinwolle:

  • Australien
  • Neuseeland
  • Südafrika
  • Südamerika

Gerade die Zuchtbetriebe in Australien stehen in ständiger Kritik, zum Schutz vor Parasiten unwürdige Tierquälerei zu betreiben. Dabei kommt das Mulesing zum Einsatz. Es gibt aber glücklicherweise auch Zertifikate, die dieses Vorgehen kontrollieren und nicht zulassen. Eine große Anzahl der Outdoor-Hersteller kauft die Wolle aus zertifizierten Zuchtbetrieben, die Wert auf Tierschutz legen. Die Hersteller bieten hier genügend Informationen. Sicher hat die Merinowolle ohnehin schon einen vergleichsweise höheren Preis, doch man sollte auf jeden Fall ein paar Cent mehr ausgeben und den Tierschutz unterstützen.

Merinowolle – Vorteile für Outdoor-Kleidung
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