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Die Tage und vor allem die Nächste werden wieder kühler und für viele Menschen beginnt die Zeit auf der Couch vor dem Fernseher oder mit einem Buch. Nicht, dass es jetzt etwas Schlechtes wäre, ein Buch zu lesen – ganz im Gegenteil! Aber echte Outdoorfans zieht es auch in der ungemütlicheren Jahreszeit nach draußen. In Matsch und Regen auf dem Mountainbike die Natur erkunden oder im Nachtfrost campen sind tolle Herausforderungen und Abenteuer, die im Herbst richtig Spaß machen und fordern. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere aktive Freizeitmöglichkeiten für die kälteren Tage. Eine haben wir uns heute herausgepickt: das Höhlenwandern oder Höhlentrekking. Es ist aufregend, weckt unseren Entdeckergeist und lässt uns Kraft tanken, aber Höhlentrekking ist auch gefährlich. Wenn ihr mit dem Gedanken, eine Höhle zu erkunden spielt, solltet ihr auf jeden Fall gut vorbereitet sein. Kommt mit uns in die faszinierende Welt der Höhlen und lest, was für ein solches Abenteuer wichtig ist.

Höhlentrekking – Abenteuer in tiefster Stille

Höhlen faszinieren viele Menschen. Schon in den Anfängen der Menschheit suchten wir Schutz und Zuflucht vor dem Wetter und wilden Tieren in Höhlen. Hier wurden die Toten bestattet, religiöse Kulte ausgeführt und die ersten Kunstwerke in Form von Gemälden entstanden an den Höhlenwänden und Decken. Viele lassen sich im Urlaub durch große Schauhöhlen führen und bewundern die faszinierende Welt unter Tage. Doch bei solchen Touren durch elektrisch beleuchtete Höhlen in großen Gruppen und mit vielen Erzählungen erfährt man dennoch nur einen Bruchteil von der geheimnisvollen Welt der Höhle.

Ganz anders ist die Sinneserfahrung, wenn man sich in einer kleineren Gruppe auf eigene Faust in eine Höhle begibt. Das Caving, bei uns Höhlentrekking oder Höhlenwandern genannt, erfreut sich immer größerer Beliebtheit und es mündet sogar in eine Art Extremsport. In unserer hektischen Zeit mit der permanenten Dauerüberflutung durch Geräusche, bewegtes und unbewegtes Bild, Formen und Gerüche sind wir fast nicht mehr in der Lage, die reine Natur zu erkennen, wahrzunehmen und zu spüren. In einer wilden Höhle ist das völlig anders! Hier dringt kein Lichtstrahl und kein Geräusch von außen hinein. Alle Sinneseindrücke, die man in einer Höhle bekommt, sind extrem intensiv. Jeder Tropfstein wird für sich zum kleinen Wunder, die Welt der Steine strahlt eine unglaubliche Kraft aus. Ihr werdet wohl vielleicht sogar das erste Mal in eurem Leben mit einer absoluten Stille konfrontiert. Dieses Erlebnis ist einmalig!

Höhlenwandern als Gruppenerfahrung

Zum Caving verabredet man sich in der Gruppe. Allein in eine wilde, nicht ausgebaute Höhle zu gehen ist kein Abenteuer, ihr begebt euch in Lebensgefahr. Denn Höhlen sind nicht nur faszinierende Objekte unserer Natur, sondern auch höchst gefährlich. Es gibt dort keine ausgebauten Wanderwege und gesicherte Brücken, um Tiefen zu überwinden. Es lauern einige Probleme wie enge Kriechgänge, Felsspalten, steile An- und Abstiege auf euch Höhlenforscher. Solche Schwierigkeiten kann man gemeinsam viel besser oder überhaupt erst überwinden. Um am Ende, und das ist zwingend notwendig, den Ausgang auch zu erreichen, ist jeder auf den anderen angewiesen. Ihr werdet nach dem Verlassen der Höhle merken, wie stark eure Gruppe geworden ist und wie geborgen ihr euch in der Gruppe beim Höhlentrekking gefühlt habt.

Höhlentrekking – Gute Planung ist das A&O!

Vor einer Caving-Tour ist einiges an Planung notwendig, damit man auch sicher und wohlbehalten wieder am Ausgang ankommt. Die Kräfte der einzelnen Gruppenmitglieder müssen realistisch eingeschätzt werden, denn jeder muss die Tour schaffen, nicht nur der stärkste und erfahrenste Outdoor-Spezialist und Extremsportler. Aber auch viele andere Dinge, wie das Wetter, die Höhle an sich, Sicherheitsüberlegungen, Ausrüstung und Material für das Höhlentrekking sind Eckpunkte, die man planen oder in der Planung berücksichtigen muss.

Informationen über die Höhle

Holt euch schon weit vor der geplanten Tour Informationen zur Höhle ein. Zu klären ist, ob ihr die Höhle überhaupt erkunden dürft, die Genehmigung des Besitzers eingeholt werden muss oder ob die Höhle unter besonderem Schutz steht und ihr somit noch einiges mehr in der Höhle beachten müsst. Manche Höhlen sind auch im Winter gar nicht betretbar. Im Übrigen heißt das Begehen oder Bewandern einer Höhle in der Fachsprache befahren. Wundert euch also nicht, wenn ihr die Informationen zum Beispiel bei einem Höhlenverband einholt, wenn diese immer davon Sprechen, was ihr beim befahren der Höhle beachten müsst.

Versucht auch, an Höhlenpläne zu kommen. Auch der beste Orientierungssinn kann in einer Höhle nicht ausreichen. Die weit verzweigten Gänge und Nebenhöhlen können verwirren und die Orientierung an Wetter und Himmelskörpern fällt ja weg.

Wichtig ist auch, sich über mögliche Gefahren zu informieren. Lauern Steinschläge, Wasserzuflüsse, -strömungen oder unterirdische Seen und Flüsse? Wie schwierig ist das Gelände, gibt es viele Engpässe, steile Aufstiege und Kletterpartien, die das schwächste Glied der Gruppe vielleicht nicht schafft?

Auch der Zustieg zur Höhle muss beim geplanten Höhlentrekking genau analysiert werden. Wie schwer gestaltet sich der Zugang zur Höhle? Muss geklettert oder sich gar abgeseilt werden? Diese Informationen sind wichtig, um dann auch das nötige Material dabei zu haben, sonst endet die Höhlenwanderung schon am Eingang oder einige hundert Meter davon entfernt. Für die Meldung, wo ihr euch aufhaltet, sind GPS-Koordinaten der Höhle von Bedeutung oder vielleicht ist sie sogar auf einer Karte eingezeichnet.

Höhenklettern Stirnlampe und Handlampe

Material und Ausrüstung für die Höhlenwanderung

 

Habt ihr diese Informationen, macht euch eine Material- und Ausrüstungsliste. Neben den benötigten Gurten, Seilen, Verankerungen, kurz: einer hochwertigen Kletterausrüstung, braucht ihr natürlich die entsprechende Kleidung, einen geeigneten Rucksack, genügend Essen und Getränke (inklusive Notration) und unbedingt eine Reiseapotheke. Bei der Outdoorbekleidung solltet ihr auf ein wasserdichtes System mit mehreren Schichten setzen, denn in Höhlen ist es oft nicht nur nass, sondern auch kalt. Ach ja, und dunkel natürlich! Nehmt deswegen auf jeden Fall eine gute Stirnlampe und Handlampe mit Ersatzbatterien bzw. -akkus mit. Ein Helm kann auch nicht schaden. Denkt an Wechselkleidung. Wenn ihr vom Höhlenklettern wieder zurück seid, werdet ihr froh sein, wenn ihr in frische, trockene Sachen springen könnt.

Wetterbericht ist lebenswichtig

Auch wenn in den Höhlen ein ganz eigenes Klima herrscht, sie ja unter der Erde sind und ihr somit nicht direkt der Witterung ausgesetzt seid, kann es lebensgefährlich sein, wenn ihr den Wetterbericht ignoriert. Im Winter sind es oft die Zustiege, die durch Schnee und Eis versperrt sind. In hochalpinen Höhlen drohen durch Gewitter und Regen oft Wassereinbrüche, auf die man vorbereitet sein sollte. Auch Höhlen in den Tälern können oft durch Wasser unbezwingbar oder zumindest schwerer als bei trockenem Wetter passierbar sein. Übrigens sind die Einflüsse und Behinderungen durch das Wetter im Herbst am geringsten. Schnee haben wir noch nicht, die Schneeschmelze, die viele Höhlen im Frühjahr zu einer Herausforderung machen, sind noch in weiter Ferne und die Gefahr von heftigen Sommergewittern droht nicht.

Sicherheit geht vor!

Bevor es dann richtig losgeht mit dem Caving, noch ein paar Worte zur Sicherheit. Wir erwähnten ja schon, dass ihr eine Höhle nie allein befahren solltet. Am besten ist eine Gruppengröße von 3-4 Personen. Sollte sich jemand verletzen, können so immer eine Person oder zwei den Rückweg antreten, um Hilfe zu holen, ohne den Verletzten nicht allein liegen zu lassen. Bei schwerer zu befahrenen Höhlen sind 4 Personen besser, da es sein kann, dass man bei einigen Stellen auf die Hilfe einer zweiten Person angewiesen ist, um sie zu überwinden. Wichtig ist, dass die verletzte Person nicht allein zurückgelassen wird.

Ehe ihr euch in die Höhle begebt, müsst ihr eine Alarmzeit angeben. Dies ist die voraussichtliche Zeit, zu der von eurer Tour zurück sein werdet. Ihr hinterlegt die Zeit bei einer verlässlichen Person außerhalb der Höhle, damit diese die Höhlenrettung informieren kann, wenn ihr euch nicht innerhalb dieser Zeit bei der Person wohlbehalten zurückgemeldet habt. Die Alarmzeit sollte nicht kurz, aber auch nicht zu lang gewählt werden. Ein Richtwert für die Alarmzeit ist drei Stunden nach der spätestens geplanten Rückkehr. Die Informationen, die die Person von euch benötigt sind:

  • Name der Höhle, bei größeren Höhlen noch der Höhlenteil
  • Katasternummer
  • Alarmzeit (mit Datum!)
  • Anzahl und Namen der Teilnehmer
  • Telefonnummer der Höhlenrettung (Bundesnotrufnummer 02622/ 144 ) oder ein Notrufplan

Höhlenwandern Zustieg Eingang

Die Höhlenwanderung an sich

Wenn ihr dann gut vorbereitet das Abenteuer Höhlentrekking in Angriff nehmt, gilt es noch ein paar Sachen während der Höhlenwanderung zu beachten, damit ihr auch wieder am Ausgang ankommt.

Pausen sind wichtig

Macht genug Pausen, um eure Kräfte einzuteilen, eurem Körper Erholungsphasen zu verschaffen und genügend zu essen und zu trinken. Am besten macht ihr auch ungefähr in der Mitte eurer Tour eine etwas längere Pause, In dieser könnt ihr Karbid wechseln, eure Ausrüstung überprüfen, Knoten festziehen und so weiter. Setzt euch während eurer Pause auf gar keinen Fall auf den blanken Boden, sondern auf Ausrüstungsteile wie Rucksack oder Schleifsack.

Behaltet die Orientierung

Viele Menschen haben in Höhlen Angst sich zu verirren. ganz unbegründet ist diese diffuse Angst nicht. Es ist wichtig, die Orientierung zu behalten, und mit einigen Hilfsmitteln geht das auch unter der Erde. Habt möglichst den Höhlenplan immer zur Hand. packt ihn gern in eine Klarsichthülle, um ihn vor Schmutz und Wasser zu schützen. Wenn ihr zur besseren Orientierung für den Rückweg oder in großen hallen, wo man schnell einmal im Kreis laufen kann, Markierungen machen wollt,dann nehmt dafür zum Beispiel Steinmännchen. Markierungen durch Kreide, Farbe oder Einritzungen in den Stein solltet ihr unterlassen. Sie sind meist sowieso schon verboten.

Lauft nicht blind einem Führer hinterher! Das gilt nicht nur in der Politik, sondern auch in Höhlen. Wenn nur einer den Weg kennt, und die anderen ihm nur folgen, kann das katastrophale Auswirkungen haben. Verunfallt dieser, weiß kein anderes Gruppenmitglied den Weg aus der Höhle. Es kann weder schnell Hilfe geholt werden, noch besteht eine Chance jemals wieder allein herauszufinden.

Legt einen Umkehrpunkt fest

Generell muss das Tempo und die Länge des Höhlenkeltterns an das schwächste Mitglied der Gruppe angepasst werden,. Einen spätesten Umkehrpunkt legt ihr also schon vor der Tour fest. Sonst könntet ihr auch die Alarmzeit nicht abgeben. Doch beobachtet auch während der Höhlentour immer alle Teilnehmer. Schwäcjhelt jemand und will es nur nicht zugeben? Checkt auf der Tour noch einmal, ob der Umkehrpunkt richtig gewählt ist, oder ihr nicht doch früher den Rückweg antreten solltet. Bedenkt dabei auch, dass der Rückweg meist länger dauert als der Hinweg, da die Kräfte schon langsam zur Neige gehen und oftmals auf der Rücktour mehr Anstiege als auf dem Hinweg zu bewältigen sind.

Das Ende der Höhlentour

Kurz bevor ihr wieder das Tageslicht erblicken werdet, lauft ihr Gefahr, unaufmerksam und leichtsinnig zu werden. Genau das ist der Zeitpunkt, an dem es besonders oft noch zu Unfällen kommt. Gerade auch beim Abstieg, also wenn man schon aus der Höhle draußen ist, überwiegt die Euphorie über das Geschaffte und man stolpert schnell mit den schlimmsten Folgen über den kleinsten Stein oder stürzt wegen eines Fehltritts in die Tiefe. Seid also auch auf den letzten Metern aufmerksam und konzentriert euch auf euren Weg!

Ein wichtiger Hinweis noch zum Schluss: Meldet den Alarm wieder ab, wenn ihr gesund und munter vom Höhlentrekking wieder zurück seid.

Habt ihr schon einmal eine Höhlenwanderung gemacht bzw. eine Höhle befahren? Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr noch besondere Tipps? Dann schreibt es uns doch bitte in die Kommentare oder besucht unsere Facebookseite und teilt eure Erfahrungen mit anderen Outdoorfans.

Outdoor-Abenteuer Höhlentrekking
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